Narrativer Entwurf einer positiven Selbstkategorie in unterschiedlichen Sozialund Sprachwelten
Abstract
Dieser Beitrag entstand im Rahmen meiner biografie- und interaktionsanalytischen Studie zu sozialen und sprachlichen Erfahrungen junger „RückkehrerInnen“, d.h. junger Frauen und Männer türkischer Herkunft, die in Deutschland oder Österreich aufwuchsen, und als Jugendliche bzw. junge Erwachsene in die Türkei migrierten. Arda, der Informant, den ich im Folgenden vorstellen werde, beschreibt unterschiedliche Sozialwelten in Deutschland und in der Türkei. Dabei räumt er der Beschreibung von zwei grundsätzlich unterschiedlichen Lebenswelten, die seine Kindheit in Deutschland prägen, großen Raum ein: zum einen der Lebenswelt des Türkenviertels in Kreuzberg, wo er geboren ist und bis zur Einschulung lebte, und zum anderen der deutschen Lebenswelt, in die seine Familie später umgezogen ist und in der er die Grundschule besucht und absolviert hat. Nach der Übersiedlung in die Türkei erlebt Arda eine moderne türkische Lebenswelt, an die er sich anpassen muss. In seinem neuen Leben erfährt er den schmerzlichen Verlust der deutschen Alltagssprache. Zur Beschreibung verwendet er komplexe Verfahren ethnischer und sozialer Kategorisierung und negativer bzw. positiver Selbstpositionierungen zu den verschiedenen Welten.
Ziel meiner Analysen ist es nach einem Überblick über die soziolinguistische Forschung zu sozialer Kategorisierung, die Kategorisierungsprozesse und deren charakteristische Eigenschaften und Handlungsweisen, die Arda verwendet, zu rekonstruieren und die sprachlichen Mittel und Verfahren zu beschreiben, die zur Positionierung und zur Selbst- und Fremdkategorisierung verwendet werden.
Keywords
References
- Antaki, Ch. & Widdicombe, S. (Hg.). (1998). Identities in Talk. London/New Delhi: Sage.
- Bamberg, M. (1997). Positioning between structure and performance. Journal of Narrative and Life History, 7 (1-4), 335-342.
- Davies, B. & Harré, R. (1990). Positioning: The discoursive construction of selves. Journal for the Theory of Social Behavior, 20 (1), 43-63.
- De Fina, A. & Georgakopoulou, A. (2012). Analyzing Narrative: Discourse and Sociolinguistic Perspectives. Cambridge: University Press.
- De Fina, A. (2015). Performing Self, Positioning others. In A. De Fina & A. Georgakopoulou (Eds.), Handbook of narrative analysis (pp. 351-368). Chichester: Wiley Blackwell.
- Deppermann, A. (2013). How to get a grip on identities-in-interaction. (What) Does ‚Positioning‘ offer more than ‚Membership Categorization‘? Evidence from a mock story. In M. Bamberg (Eds.): Narrative Inquiry. A forum for theoretical, empirical, and methodological work on narrative, 23 (1). Amsterdam: Benjamins, 62-88.
- Devran, S. (2017). Deutsch-türkische Migration: Die Darstellung narrativer Identitäten von Studentinnen in Istanbul. Eine biographie- und interaktionsanalytische Pilotstudie. Institut für Deutsche Sprache Mannheim: amades.
- Drescher, M. & Dausendschön-Gay, U. (1995). ‘sin wer an son immobilienmakler da eh gekommen.’ Zum sprachlichen Umgang mit sozialen Kategorien im Gespräch. In M. Czyzewski & E. Gülich & H. Hausendorf & M. Kastner (Hg.), Nationale Selbst- und Fremdbilder im Gespräch (S. 85-119). Opladen: Westdeutscher Verlag.
Details
Primary Language
German
Subjects
-
Journal Section
Research Article
Authors
Publication Date
June 21, 2019
Submission Date
October 31, 2018
Acceptance Date
February 18, 2019
Published in Issue
Year 2019 Volume: 1 Number: 41